„Kira und change it“

Aus dem Blickwinkel einer Kaiserin/5

By Elke Wagner

„Change it “ – die fünfte Episode 

 

Ich habe gerade Stress. Die Dosenöffner haben Handwerker engagiert. Die machen mächtig Radau. Das ist für meine sensiblen Kaiserinnen Ohren echt übel. Ich verstehe überhaupt nicht, was das soll. Die Fliesen auf der Terrasse waren doch noch gut. Jetzt kommen neue drauf. Die alten hatten einen vertrauten Geruch. Nun muss ich wieder alles neu erschnüffeln, einschließlich täglich wechselnder Handwerkergerüche. Das macht mich ganz nervös. Und ungemütlich ist es auch. Ich muss mich auf einer wüsten Baustelle bewegen und neue Wege gehen. Bei dem Lärm lassen sich auch die Mäuschen nicht blicken. Total blöde, die Situation. Also wenn es nach mir geht, könnte immer alles so bleiben, wie es gerade ist. Das ist schön übersichtlich. Das habe ich übrigens mit Euch Menschen gemeinsam. Ihr redet zwar immer über „Change“ und wie wichtig es ist, flexibel zu bleiben. Aber im Grunde Eures Herzens mögt ihr Veränderungen genauso wenig wie ich. Vergesse nicht: Ich kann Deine Gedanken lesen. Da lese ich sehr deutlich: Die anderen sollen sich verändern, Du lieber nicht. Ich kann Dich verstehen. Mir ist auch lieber, die anderen Katzen verändern sich. Vor allen Dingen in ein anderes Revier als meines. Zurück zu den Fliesen: Ich habe mich dann geweigert, nach draussen zu gehen. Verdrängung nennt ihr Menschen das wohl. Ich leg mich auf meinen Kratzbaum und mache einfach so lange die Augen zu, bis dieser Alptraum von Handwerkern und neuen Fliesengerüchen sich von selbst verzieht. Und hänge dem Geruch der schönen, alten Fliesen nach. Natürlich weiss ich als kluge Kaiserin: Die sind schon in der Tonne, die kommen nicht wieder. Aber ich kann ja so tun als ob. Meistens kann ich die Dosenöffner um den Finger wickeln. Nur bei Bauvorhaben, da sind die wirklich unangenehm hartnäckig und ziehen das durch. Ausserdem ist Frauchen ja Profi für „Change“. Jedenfalls verdient die damit ihr Katzenfuttergeld. Auch wenn sie sich mit Veränderungen selbst manchmal schwer tut. Naja ein Leitsatz von ihr ist: „Man muss ja nicht tot gewesen sein, um auf der Pathologie zu arbeiten“. Hast Du das verstanden? Der Satz muss bei manchen nachwirken. Schließlich denkst Du nicht wie ich in Kaiserinnen-Geschwindigkeit. Cool der Satz oder? Frauchen hat mir das mit der Verdrängung natürlich nicht lange durchgehen lassen. Sie ist dann als erste raus auf die neue Baustelle, hat mir erzählt, wie schön alles wird und mir das neue Umfeld schmackhaft gemacht. Aber erst als sie mir meine alte Fussmatte hin gelegt hat – Da bin ich hinterher. Die Fussmatte war wichtig. Da lieg ich immer drauf. Die riecht nach bekannten Düften und eben nach mir. Rituale sind wichtig, damit ich weiss: Es ändert sich nicht alles, sondern einiges bleibt wie immer. Zum Beispiel meine Kuschelstunde morgens mit Frauchen. Die muss sein. Dann fühle ich mich sicher und gestärkt für den Tag mit Lärm und fremden Gerüchen. Und wenn Du jetzt meinst, ich bin unflexibel, dann täuscht Du Dich gewaltig! Hast Du schon mal gesehen, mit wie wenig Platz eine Katze auskommt?! Wie die sich ganz klein machen kann und drehen und wenden, nur um noch ein bisschen länger bei Dir auf dem Schoß oder auf der Decke zu liegen? Das nenne ich mal flexibel. Davon seid ihr Menschen eine Galaxie weit entfernt.

„Ihr Menschen habt blinde Flecken, wenn es um Eure Veränderung geht. Ihr überschätzt Euch. Du bist nicht so schnell, wie Du es gerne hättest. Du kannst auch keinen einfach mitziehen ins Neuland. Ein Grashalm wächst auch nicht schneller, nur weil Du dran ziehst. Jeder verändert sich in seiner ganz eigenen Geschwindigkeit und muss selber reisen.“

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Deine Kira